Mein eigenes Bild einer Veranstaltung bei der AFD

 
Der Kreisvorstand der AFD in Lippe hatte eingeladen zum Vortrag von Herrn Prof. Tropberger. Es sollte um eine wertfreie Analyse über Zuwanderung, Asyl, Integration & Rückführung gehen.
Die Veranstaltung war gut besucht. Die Anwesenden konnten in 2 etwa gleichstarke  Gruppen geteilt werden. 50% Sympathisanten und Mitglieder der AFD und 50% Gegner und Kritiker. Ich würde rund 80 Anwesende schätzen.
 
Obwohl gleich zu Anfang der Veranstaltung von Seiten der Veranstalter versichert wurde das es nicht um Fremdenfeindlichkeit und Hetze gehen sollte (zu der es von den Gegnern der AFD lautstarken Applaus und Zustimmung gab) waren die Ausführungen und Erklärungen des NRW Landessprechers Martin E. Renner sehr suggestiv in einer (für mich) extrem Fremdenfeindlichen Art.
Mehrmals wurde das“ Deutsch sein – Deutsch bleiben“ hervorgehoben. Anwesende wurden, bei Nachfragen als „zu dumm um das zu verstehen“  abgekanzelt. 
 
Der eigentliche Vortrag – der für mich sehr oft nur schwer erträglich war – stellte nicht die Fluchtgründe da. Kaum ein Wort darüber das wir auf der Welt Kriege haben und die Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden oder schlichtweg ein Menschenwürdiges Leben ohne Existenz Angst suchen. Nein „Die“ kommen alle weil sie vorgegaukelt bekommen hier würde Honig und Wein fließen. Syrer flüchten und bekommen noch Asyl weil sie vor der Todesstrafe Angst hätten. Als Beispiel wurde ein Mörder angeführt, der seinem Nachbarn den Hals durchschneidet und aus dem Syrischen Gefängnis flieht und hier in Deutschland leben darf weil sich Deutschland gegen die Todesstrafe ausspricht. Dies hinterlässt Bilder in den Köpfen. Das ist so, als wenn ich behaupte, wir würden alle nur Autos fahren um damit Mitmenschen töten zu wollen. In ähnlicher Weise war der gesamte Vortrag. Auch auf das BaMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) wurde hin gewiesen. Allerdings mit verzerrten Zahlen. Sehr überzogen und haltlos. Die Angst der anwesenden wurde dann noch untermauert als die völlig haltlose Behauptung in den Raum gestellt wurde wir hätten in wenigen Jahren mit 200 Millionen Fremden in unserem Deutschland zu rechnen. Während des Vortrages waren selbstverständlich keine Rückfragen erlaubt. Was letztlich dazu führte das als störend empfundene Zwischenrufe immer lauter wurden.
 
Bei der anschließenden Diskussion eskalierte die Situation. Anwesende Sympathisanten oder Mitglieder der AFD wurden erst Verbal aggressiv, und drohten Anwesenden dass gleich etwas passieren würde. Gingen auf Kritiker zu und versuchten diese körperlich einzuschüchtern. Beim Versuch die Zwischentür zu schließen wurde dann versucht, einen jungen Mann an Bekleidung und Kopfbedeckung in den anderen Veranstaltungsbereich zuziehen.
 
Das war dann der Punkt wo ich dazwischen gehen musste und zwischen den Fronten stand. Es ist kein schönes Gefühl einen aufgeregten aggressiven älteren Mann vor sich zu haben der versucht einen anderen zu greifen zu bekommen.
 
Ich wurde beschimpft, ich wurde körperlich von verschiedenen Männern angegangen und beleidigt. 
Alles von Seiten der AFD Mitglieder  bzw. Sympathisanten. Ich sei ein Störer, respektlos und ob ich denn auch „von denen“ schon welche aufgenommen hätte, sind nur Beispiele  des harmloseren Teils. Meine Eltern würden sich schämen und wüssten bestimmt nicht dass ich hier sei (ich bin eine gestandene Frau von 46!).
Ob ich überhaupt arbeiten und Steuern zahlen würde. Dies alles nur, weil ich den Ausführungen  offensichtlich aus dem falschen Bereiches des Veranstaltungsraumes gefolgt bin.
Fast 2 Stunden hatte ich in meiner Ecke gestanden, mit Wut gekämpft, oft erwogen einfach den widerlichen Ausführungen zu entfliehen und mehrfach einfach zu gehen. Doch ich hielt und halte es für meine Menschenpflicht da, wo gegen Menschen zu Unrecht polarisiert wird, einzutreten.
 
Herr Renner führte aus, das die Kulturkreise einfach nicht zusammen passen. Wir können nicht mit Italienern, Spaniern, Türken. Schlicht die ganze Europäische Union sei quatsch. Mein Einwand das wir „Deutschen“ letzlich auch mal alle unterschiedlich gewesen sind und uns inzwischen auch als eine Nation ansehen und warum das über „deutsche Grenzen hinaus nicht funktionieren soll“  fegte er vom Tisch, weil wir Deutschen was anderes sind, und wir in einem Wettbewerb stehen und nur dieser Wettbewerb wichtig sei. Bei Vermischung seien wir nicht mehr Konkurrenzfähig.
Ich forderte die Anwesenden aus sich selber zu informieren, die gehörten Zahlen und Aussagen kritisch zu überprüfen und sich eine eigene Meinung zu bilden und auf keinen Fall ein vorgefertigtes Bild zu übernehmen. Das einige von den Anwesenden dem Zustimmten ist für mich persönlich das einzig positive von diesem Abend.
 
Der Zeitpunkt zu gehen war, als Herr Renner sich über verweichlichte „feminisierte“ deutsche Männer ausließ, die den maskulinen Ausländern nichts entgegen zu setzen zu hätten. 
 
Das Verhalten der vieler anwesender AfD Gegner und Kritiker fand ich persönlich nicht angebracht und wenig konstruktiv. Fest zuhalten bleibt aber, dass ich von Männern im Alter zwischen 45-70 Jahren doch ein anderes Verhalten erwarte. Insbesondere wenn sie sich eine Gruppe junger Menschen gegen übersieht die Angst vor Gewalt und eine Rückkehr zum Faschismus fürchten. Ich finde es unangemessen wenn diese älteren Herrschaften mit drohenden Zeigefingern auf andere Menschen zustürmen, in deren persönlichen Raum treten, ihnen körperliche Gewalt androhenen und sich dabei auch noch ganz selbstverständlich im Recht sehen.
 
 
Mein Fazit über die AFD.
 
Auch wenn die AFD stets und unermüdlich behauptet sie sei Weltoffen und in keiner Weise Fremdenfeindlich, kann ich nach mehreren persönlichen Gesprächen mit diesen Menschen dies nicht glauben. Die Äußerungen die von Mitgliedern oder Sympathisanten der AFD getätigt werden sprechen eine deutlich andere Sprache. Die Rhetorik in dem Beitrag von Herrn Renner spricht da auch eine deutlich andere Sprache.
 
Ich kann verstehen wenn Menschen sich mit der aktuellen Flüchtlingssituation überfordert fühlen, ich kann verstehen wenn Menschen Angst vor Übergriffen haben und diese Ängste und Sorgen auch äußern.
 
Ich kann aber nicht verstehen, dass eine angeblich Demokratische Partei sich diese Angst zunutze macht, die Ängste noch zusätzlich schürt und als politisches Instrument missbraucht. Sich als alleinige Sprecherin für die Mehrheit der Deutschen ausgibt und behauptet sie vertrete Volkesstimme.
Mirjam Sturmann-Püttcher